Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen „verrückten Quergang“ im Herzstück einer auffallend gelben Wand am Vorbau der Coste dell’Anglone. Um dahin zu gelangen, müssen dazu erst mal zwei athletische Passagen im unteren 7. Grad bewältigt werden. Danach traversiert man spektakulär auf einem megarauen Tropfloch-Teppich entlang einer steil abfallenden Wand mit viel Luft unter den Sohlen. Später geht es ein paar Meter hinab, um eine exponierte Kante zu queren – origineller geht es kaum.
Die darauffolgende Verschneidung ist ein weiteres Highlight in der fotogenen Tour. Auch hier ist die Kletterei wie überall sehr spannend und abwechslungsreich. Manche Seillängen zählen zum Besten, was das Sarcatal zu bieten hat. Der Fels ist im wesentlichen durchgehend schön und ohne viel Botanik. Die Route wird an manchen Stellen von anderen Linien durchkreuzt, deshalb will das Topo genau gelesen werden. Man darf sich nicht von der speckigen Klettergarten-Einstiegslänge abschrecken lassen, danach wird der Fels zunehmend rau.
Durch den kurzen Zu- und Abstieg ist es ein geeignetes Halbtagesziel für Spätaufsteher. Wegen der ostseitigen Ausrichtung liegt die Wand im Sommer nachmittags angenehm im Schatten. Und bei genügend Motivation, Zeit- und Krafreserven kann im Anschluss noch über die darüberliegende Cuore d‘Oro weitergeklettert werden. Dann sollte man allerdings etwas früher in die Kombi einsteigen.
Im Gegensatz zu den meist überlaufenen Paolo-Routen geht es hier deutlich ruhiger zu. Eine absolute Empfehlung in der Gegend von Ceniga bzw. Dro! Ach ja, und nach dem Klettern sollte man es nicht verpassen, der Ponte di Ceniga und darunterliegenden Sarca einen Besuch abzustatten.
„Traversi Perversi“ im Detail
1. Seillänge (6a+)
Es geht von Anfang an gleich richtig zur Sache: die Tour startet im rechten Bereich des Klettergartens „La Fattoria degli Struzzi“, siehe www.bergsteigen.com, mit kleingriffiger und bereits abgespeckter Wandkletterei. Anfangs gut gesichert, später geht es kräftig an die Umlenkung der Klettergartenroute. Man steigt darüber hinaus und bezieht Stand an der folgenden Wand im Wald.
2. Seillänge (5c)
Der Fels wird jetzt wieder rau. Über eine kurze, griffige Wandstufe geht es hinauf zum nächsten Ruhepunkt.
3. Seillänge (2a)
Es folgt eine horizontale Querung auf schmalem Band nach links.
4. Seillänge (6a+)
Über eine steile Wand gelangt man rechtshaltend auf eine wunderbare Tropflochplatte und diagonal ansteigend zum Standplatz. Die Hakenabstände sind hier etwas weiter, es darf mutig geklettert werden, denn der Fels ist kleingriffig und nicht immer leicht zu lesen.
5. Seillänge (5c+)
Der Quergang wird nun immer steiler und ausgesetzter. Ein Stück weiter klettert man ein paar Meter hinab (der Vorsteiger tut sich da, weil besser gesichert, etwas leichter; es sind jedoch Seilstücke für den Nachsteiger vorhanden) und um eine exponierte Kante zum nächsten Ruhepunkt.
6. Seillänge (5c+)
Eine sehr schöne und gut gesicherte Verschneidung führt nach rechts in die steile Wand.
7. Seillänge (5c)
Wieder schöne Kletterei, vertical und gut gesichert, bis sich der Fels im Wald verliert. Hier muss an Bäumen nochmal nachgesichert werden.
8. Seillänge (2a)
Zuletzt durch die Botanik und teils erdig hinauf zum Abstiegsweg nach rechts.
Schwierigkeit
Überwiegend +/-6, 2mal 7- (6 obligatorisch)
Absicherung
Je nach Schwierigkeit sind die Seillängen ausreichend bis sehr gut mit Bohrhaken abgesichert. In den Querungen sind die Hakenabstände etwas weiter. An manchen Stellen können auch Friends gelegt werden.
Ausrüstung
50-Meter-Einfachseil, 12 Exen, evtl. Friends, Schlingen zur Sicherung an Bäumen
Ausgangspunkt
Ceniga im Sarcatal. Man parkt etwa in Ortsmitte.
Zustieg
Vom Parkplatz kurz nach links, dann rechtshaltend zur Ponte Romano. Hinter der Brücke geht es nach rechts zum Maso Lizzone und dann links den Weg zum Sentiero degli Scaloni hinauf. Kurz vor der Wand bei einem Steinmann nach links zu einem Klettergarten. Der angeschriebene Einstieg befindet sich bei der rechtesten Route. Vom Parkplatz ca. 30 Minuten.
Abstieg
Die Tour endet bei einem Pfad im Wald. Hier nach rechts zurück zum Ausgangspunkt. Ca. 30 Minuten.
Literatur
Kletterführer „Hohe Wände bei Arco“, Band 1 (Süd) tmms-shop.de
Kletterührer „Plaisir Climbing Lago di Garda“ alpinverlag.at
Webinfo
www.bergsteigen.com
www.hikr.org
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