Saulakopf – Direkte Ostwand

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Es war im berühmten Vorarlberger Klettergarten bei der Bürser Schlucht, wo wir zufällig einen Allgäuer Kletter-Kollegen trafen. In der Urlaubszeit unterwegs, erzählten wir uns von bereits abgehakten oder geplanten Routen im Montafon. Dabei schwärmte Christian von der Saulakopf-Ostwand: „Die würde ich gleich wieder machen, tolle Kletterei mit Spürsinn in eindrucksvollem alpinen Ambiente. Mit Unterstützung der Lünersee-Bahn ist das eine g‘mahte Wies’n“, wie er meinte. Meine Erinnerungen wurden wach: Saulakopf? Von dem hatte ich doch schon früher gelesen …

Bereits vor über 40 Jahren schmökerte ich in Walter Pause’s Kultbuch „Im Schweren Fels“, in dem die Tour unter anderen beschrieben wird. Als Kletterer ist man damals mit der Lektüre quasi aufgewachsen. Irgendwann hab ich den Saulakopf wegen anderer Prioritäten aus den Augen verloren – alles zu seiner Zeit. Vor kurzem hat Gerhard Wiedemann die Ostwand verfilmt und somit einem breiten Publikum vorgestellt. Wir waren ohnehin in der Gegend, was lag näher, als diesem Montafoner Klassiker einen Besuch abzustatten?

Der lange Zugang über die Heinrich-Hueter-Hütte lohnt sich eigentlich nur wenn man mit dem E-Bike unterwegs ist oder dort übernachtet. Sonst wird’s als Tagestour stressig. Wir entschieden uns deshalb für die Lünersee-Bahn: Bereits ordentlich an Höhe gewonnen, geht es von der Staumauer nochmal ansteigend zum Saulajoch und ein Stück weiter um die Ecke Richtung Saulakopf hinauf. Zuerst erscheint das Montafoner Matterhorn – die formschöne Zimba – und später die beeindruckend 500 Meter hohe Ostwand des Saulakopfs.

Es war bereits später Vormittag, konnte man um diese Zeit noch in die 16-Seillängen-Tour einsteigen? Eine Dreierseilschaft war bereits zaghaft unterwegs, immerhin bot sie eine gute Orientierung in der weitläufigen Wand – oder auch nicht. Max schlug noch den benachbarten, etwas leichteren Saulakamin vor, den ich wegen erhöhter Steinschlaggefahr vehement ablehnte. Also doch die Ostwand. Wir beschlossen Gas zu geben und kamen bei moderaten Schwierigkeiten gut voran. Die vorauskletternde Dreierseilschaft bot tatsächlich eine gute Orientierung, zudem war es eine nette Begegnung an den Standplätzen.

Der Einstieg befindet sich direkt am Saula-Klettersteig. Es geht rechtshaltend über eine grasige Rampe hinauf, nach kurzem Abstieg gelangt man durch einen markanten Kamin auf einen bequemen Standplatz. Wir folgten einer kurzen, gut gesicherten Verschneidung, danach linkshaltend über genüssliche Platten Richtung Wandmitte hinauf. Hier wird es dann etwas unübersichtlich. Das Topo führte uns weit nach rechts, um in einen Riss-Kamin zu gelangen. Im 6. Grad frei geklettert, ist dies die schwerste Passage in der Tour. Mit A-Null geht’s einfacher …

Kurz darauf erreicht man über steile, sehr schöne Wandkletterei das Wandbuch an exponiertem Stand. Eine Rampe leitet nun linkshaltend zu einem Spreiz-Kamin hinauf, an dessen Ende sich ein geräumiges Band inclusive Standplatz befindet. Wie schon Christian erzählte, scheiden sich hier die Geister. Eine völlig unübersichtliche, ca. 100 Meter weite Flanke entscheidet über den Weiterweg.

Weit und breit kein Haken in Sicht, kletterten wir planlos am laufenden Seil geradeaus weiter, bis ein Gratabsatz mit Schlingenstand um einen Felsblock erreicht wird. Ein kurzes Stück danach steht man unter der Headwall und klettert anfangs durch einen Riss zum Gipfel hinauf. Wesentlich einfacher ist es, hier linkshaltend zum Klettersteig am Südgrat hinauszuqueren. Danach sind es nur noch wenige Meter, bis das Gipfelkreuz erreicht wird.

Die Tour ist sanft saniert und es stecken lediglich an den exponierten Passagen geschlagene oder gebohrte Haken. Insofern ist die Orientierung, auch was das Gelände betrifft, nicht immer ganz einfach. Vor allem die letzten 3 Seillängen unter dem Gipfel verlangen alpinen Spürsinn der alten Schule. Trotz gelegentlicher Varianten darf man sich in der Tour keinesfalls versteigen, sonst landet man im Nirvana, deshalb will das Topo genau gelesen werden. Die Hakenabstände sind im leichteren Gelände etwas weit, somit ergeben sich immer wieder mehr oder weniger lange Runouts, die an manchen Stellen jedoch mit Friends entschärft werden können.

Der Fels ist durchgehend schön und gut abgeklettert. Trotz der moderaten Schwierigkeitsgrade sollten sich wegen der stattlichen Wandhöhe von 500 Metern nur erfahrene Seilschaften in die Tour begeben. Ebenso muss das Wetter passen, da ein Rückzug wegen diverser Quergänge nur schwer möglich ist. Obwohl die Kletterei sehr schön ist, kann die Saulakopf-Ostwand nur bedingt als Plaisir-Tour eingestuft werden, sie ist vielmehr ein lohnendes Ziel für alpin-orientierte Kletterer.

Schwierigkeit
Überwiegend 3 bis 4, gelegentlich etwas leichter oder schwerer. Eine Passage ist frei geklettert im 6. Grad, die Stelle kann auch A0 überwunden werden. Insgesamt ist der 5. Grad obligatorisch. Die angegebenen Schwierigkeitsgrade im Kletterführer sind eher streng bewertet, gelegentlich kann bis zu einem Grad dazu gerechnet werden.

Absicherung
Die Route ist ausreichend mit Klebehaken saniert. Ab und zu gibt es Normalhaken und Risse zur mobilen Absicherung. An den Standplätzen befinden sich robuste Ringe.

Ausrüstung
50-Meter-Einfach- oder Doppelseil, 8 Exen, Friends, Schlingen

Ausgangspunkte und Zustiege

Generell gibt es zwei Möglichkeiten

Von Vandans im Montafon mit dem E-Bike oder Wanderbus zum Alpengasthof Rellstal hinauf. Ein Güterweg führt weiter zur Heinrich-Hueter-Hütte. Man folgt dem Wanderweg zum Saulajoch und zweigt später zum beschilderten Saulajoch-Klettersteig rechts ab. Der Einstieg befindet sich gleich daneben. Vom Tal ca. 2,5 bis 3 Stunden Zustiegszeit.

Der etwas schnellere Zustieg startet im Brandner Tal bei der Lünersee-Bahn. Man fährt mit der Bahn zum Lünersee hinauf. Von der Bergstation nach links über die Staumauer und entlang der Beschilderung weiter zum Saulajoch. Hier geradeausweiter zum Saula-Klettersteig. Vom Brandnertal ca. 2 bis 2,5 Stunden.

Abstieg
Vom Gipfel über den teils drahtseilversicherten Normalweg zum Saulajoch hinab. Hier links zur Heinrich-Hueter-Hütte, rechts zum Lünersee. Jeweils ca. 1,5 bis 2 Stunden.

Übernachtungen
Douglas-Hütte www.douglasshuette.at
Heinrich-Hueter-Hütte hueterhuette.at

Literatur
Kletterführer Vorarlberg www.panico.de

Webinfo
hueterhuette.at
bergsport.life
www.youtube.com
www.snowlion.at

Bildgallerie

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