Dry-Tooling im Oberallgäu

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Während bei Winterbegehungen in Alpinen Wänden in der Regel leicht geneigtes Gelände anzutreffen ist, geht es an gefrorenen Wasserfällen meist steiler zur Sache. Um in den Genuss senkrechter Eissäulen zu gelangen, müssen gelegentlich auch Felspassagen mit den Eisgeräten und Steigeisen überwunden werden. In solchem Gelände hat sich in den letzten Jahren das Mixed-Klettern in Eis und Fels entwickelt.

Doch das Ganze lässt sich noch steigern: in eigens dafür eingerichteten Fels-Klettergärten sind die Freunde des Dry-Toolings unterwegs. Dabei werden die Spitzen der Steigeisen und Eisgeräte in kleine Ritzen und auf Leisten in den Fels gesetzt, um an Höhe zu gewinnen. Die Verwendung mobiler Sicherungsmittel ist dabei je nach Felsbeschaffenheit bzw. Schwierigkeitsgrad oft nur schwer möglich. Deshalb sind die meisten Routen wie beim Sportklettern mit Bohrhaken abgesichert. Mittlerweile werden bereits in außeralpinen Regionen z. B. ehemalige Wassertürme zu Dry-Tooling-Anlagen umfunktioniert. Der Trend scheint sich rumzusprechen …

Meine erste Begegnung mit dieser relativ jungen Spielart des Kletterns glich einer derben Ernüchterung. Ich musste mich mit den Eisgeräten an kleinen Löchern festhalten, die von unten nur schwer erkennbar waren. Und ganz nebenbei sollten noch die Exen zur Sicherung eingehangen werden. Dabei wird ein Pickel um die Schulter gelegt, um eine freie Hand zu gewinnen. Die ersten Versuche dieser ungewohnten Technik wären für mich im Toprope vielleicht besser gewesen …

Zu unserer Erleichterung gab es da jedoch ein paar Locals, die in diesem versteckten Kleinod der Allgäuer Alpen scheinbar jede frei Minute verbringen. Bereitwillig erklärten sie uns die sogenannten „Placements“, die Haltepunkte, wo die Pickelspitzen und Steigeisen-Zacken aufgelegt werden können. Gelegentlich gab es da auch Risse, wo die Eisgeräte verkeilt werden mussten. Somit schafften wir wie durch ein Wunder doch noch die ein oder andere Route an diesem eiskalten Nachmittag. Und als wir abends mit bleischweren Armen das Seil wieder einpackten, rückten nach Feierabend bereits die nächsten hartgesottenen Dry-Tooler mit ihren Stirnlampen an. Ich frage mich, wie man in der Dunkelheit die winzigen Placements erkennen soll? Alles ziemlich crazy …

Eines ist mir bei dieser neuen Erfahrung allerdings klar geworden: das ist kein Kindergeburtstag, Dry-Tooling ist weitaus anspruchsvoller als das traditionelle Felsklettern. Es erfordert eine ganz spezielle Technik, die erstmal gelernt werden will. Dabei sollte die Verletzungsgefahr durch die Steigeisen-Zacken im Falle eines Sturzes nicht unterschätzt werden. Und es braucht schon sehr viel Begeisterung und vor allem Fitness, um diesen Sport regelmäßig betreiben zu wollen. Wie dem auch sei, jedenfalls ist es ein gutes Training für alpine Winter-Unternehmungen der härteren Gangart …

Webinfo

www.bergsteigen.com

Literatur

Eiskletterführer Bregenz bis Garmisch www.panico.de

Bildgallerie

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