„Neue Südostkante“ am Gimpel

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Dank der guten Absicherung und Überschaubarkeit spielt sich der Tannheimer „Klettertourismus“ mittlerweile vorwiegend an der Zwerchwand und am Gimpel-Vorbau ab. In den traditionellen Touren an der Roten Flüh, am Hochwiesler und Gimpel, geht es heutzutage dagegen eher ruhiger zu. Hier sind die Routen eine Spur alpiner, die Hakenabstände meist weiter und es darf noch der ein oder andere Friend gelegt werden.

Die „Neue Südostkante“ am Gimpel fällt da etwas aus dem Rahmen. Sie ist zwar nach wie vor alpin angehaucht, die Absicherung wird jedoch oft als „plaisirmäßig“ beschrieben. Einige kreative Erschließer wichen von der Originaltour ab und suchten sich den Weg durch den besten Fels. Somit ist hier im Laufe der Zeit eine neue Linie mit schönen Kletterpassagen moderner Prägung entstanden. Mit 10 Seillängen zählt die „Neue Südostkante“ nun zu den längsten Routen auf der „Tannheimer Sonnenseite“, wie es einst Toni Freudig beschrieb.

Die ersten beiden, etwas schrofigen Seillängen können von links durch eine etwas schwerere Einstiegsvariante umgangen werden. Die Tour bewegt sich nun homogen und zugleich abwechslungsreich im 5. bis 6. Grad. Man trifft oft auf plattige Passagen, die sich teilweise über längere Strecken hinziehen. Besonders interessant ist ein ausgesetzter Quergang, der in eine kurze anstrengende Verschneidung mündet. Weiter oben bietet die Tour schöne Kanten-Kletterei, bis man eine steile Wandstufe erreicht. Vom angegebenen 6. Grad weit entfernt, wird hier so mancher Kletterer bereitwillig in die eng gesetzten Haken greifen. Zum Gipfel hin fanden die Sanierer schließlich einen sehr schönen Platten-Quergang, der die Original-Führe nach rechts verlässt.

Zuweilen ist die Orientierung nicht ganz einfach, da die alte und neue Südostkante eng beieinander liegen. Am besten orientiert man sich an den meist vorhandenen Klebehaken und studiert das Topo genau. Wer im unteren Bereich mit den leichten Längen startet, sollte sich nicht nach rechts in die Südost-Kaminreihe verleiten lassen (nach der ersten Seillänge gleich links halten). Obwohl die Tour schon zahlreiche Begehungen zu verbuchen hat, ist nach wie vor nicht alles fest , was man in den Händen hält (besonders, wenn man sich versteigt). Deshalb ist auf den schrofigen Bändern dringend auf Steinschlag zu achten, da sich am Wandfuß immer wieder Kletterer aufhalten. Der Wanderweg hinauf zum Gimpel-Normalweg bzw. Judenscharte wurde aus Sicherheitsgründen mittlerweile in das tiefergelegene Gimpelkar verlegt.

Fazit: Die neue Südostkante ist sicher die lohnendste 6er-Klettertour auf den Gimpel. Für die 10 Seillängen ist man schon eine Weile unterwegs und erlebt dabei viele schöne Klettermeter im typisch Tannheimer Ambiente. Ein Rückzug ist eher unangenehm, deshalb sollte nur bei sicherem Wetter in die Tour eingestiegen werden. Ebenso sollte man sich nicht von der „plaisirmäßigen“ Absicherung verlocken lassen. Dies ist sicher keine Anfängertour und erfordert alpine Erfahrung samt Orientierungsvermögen im nicht immer zuverlässigen Felsgelände.

Schwierigkeit

Überwiegend +/-5, gelegentlich leichter. Mehrere Seillängen bis zum 6. Grad, eine kurze Wandstelle 7 bzw. 6 A0.

Absicherung

Die Tour ist gut, aber nicht übertrieben  mit Klebehaken und Schwerlastankern ausgestattet. Zwischen den Haken ist Klettern angesagt. Keile und Friends sind nicht erforderlich und auch kaum sinnvoll einsetzbar.

Ausrüstung

50-Meter-Doppelseil, 10 Exen

Talort

Nesselwängle im Tannheimer Tal. Der Parkplatz befindet sich am westlichen Ortsende.

Zustieg

Vom Parkplatz entlang der Beschilderung zum Gimpelhaus (ca. 1,5 Stunden). Vom Gimpelhaus Richtung Gimpel-Normalweg. Der Einstieg befindet sich ca. 50 Meter nach Beginn des Normalwegs bei einer markanten Rampe (Klebehaken am Einstieg).

Abstieg

Über den deutlich sichtbaren Normalweg zurück zum Ausgangspunkt.

Stützpunkt

Gimpelhaus www.gimpelhaus.at

Topos

Kletterführer Allgäu incl. Tannheimer Tal www.panico.de

Webinfo

www.skiinfo.de

Bildgallerie

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1 Gedanke zu „„Neue Südostkante“ am Gimpel“

  1. Servus Pat,

    Wie immer ein toller Bericht mit coolen Fotos. Eine schöne, wenn auch für mich sehr anstrengenden Tour. Ich hatte trotzdem Spaß!

    Gruß
    Ludwig

    Antworten

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