„No risk no fun“ an der Seebenwand

„No risk no fun“ an der Seebenwand

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Als ich vor einigen Jahren die Seebenwände für’s Klettern entdeckte und dem Massiv vier Routen verpasste, dauerte es nicht lange bis die Ehrwalder Kletterszene aufmerksam wurde. Ein Local von der Bergwacht hörte während seines Abendspaziergangs entlang des Wasserfall-Rundwegs das Surren einer Bohrmaschine und besuchte mich wenig später am Wandfuß. Beim Abseilen sah ich einen Hund an seiner Seite und dachte mir noch „Oje, jetzt gibt‘s gleich Ärger“. Der Neugierige erwies sich jedoch als friedlicher Zeitgenosse und wir unterhielten uns über meine Absichten in der bis dahin jungfräulichen Wand.

Jahrelang schlummerte die Seebenwand im Dornröschenschlaf, lediglich der Seeben-Klettersteig war stets gut besucht und die Touristen pilgerten zum nahegelegen Wasserfall. Der Wasserfall-Rundweg besaß den Tiroler Gütesiegel und war in der Tat an Idylle kaum zu übertreffen. Da war auch meine „Blaue Bank“ nicht geduldet. (Siehe Bericht „Klettern an der Seebenwand“). Leider rollten irgendwann die Bagger an und legten über den schönsten Teil des Pfads einen Fahrweg entlang. Ja mei, der neue Kanal hatte eben Priorität …

Wie dem auch sei, wenige Tage nach meiner ersten Neutour (Welcome to Ehrwald) waren die Locals wachgerüttelt und setzten selbst den Bohrer an. Ihr Ergebnis konnte sich sehen lassen. Mit dem „Latschentango“ kreierten sie eine gängige Route entlang einer schwach ausgeprägten Kante, die mittlerweile sehr beliebt ist. Die Tour bietet tolle Kletterpassagen in den mittleren Graden und wenig verstreute „Latschen“ sind dabei eher nebensächlich …

Ein Jahr später zeigten die Ehrwalder Karl-Heinz Grübler und Stefan Schennach erneut ihr Gespür für eine kletterbare Linie, was an der Seebenwand gar nicht so einfach ist. Immer wieder stellen sich feuchte Überhänge, gelb-splittrige Passagen oder grasige Einschnitte an der breiten Wand in den Weg. Die darüberliegenden teilweise herrlich wasserzerfressen Felszonen sind dadurch nur schwer zu erreichen. Die Erstbegeher fanden dennoch einen Weg durch kompakte graue Platten, die es allerdings in sich haben.

Die Tour startet über einen Überhang und folgt in ausgesetzter Wandkletterei zu einer diagonal eingelagerten Platte. Kleine Leisten ermöglichen den Anstieg, der gegen Ende der Seillänge um eine ausgesetzte Kante zum Standplatz führt. Der Weiterweg bietet wieder steile und meist anstrengende Kletterei entlang eines unüberschaubaren Pfeilers. Schließlich landet man unter einem Latschengürtel, dem gemeinsamen Stand des „Latschentangos“.

Die österreichische Internet-Plattform „Climber’s Paradise“ beschreibt „No risk no fun“ trefflich als „schöne, aber anspruchsvolle Kletterroute … Anhaltende Schwierigkeiten und trotz guter Absicherung muss bis auf die Schlüsselstelle alles geklettert werden“. Dazu sind nicht alle Passagen immer ganz fest, was der Sportklettertour einen alpinen Touch verleiht. Aufgrund der nordwestseitigen Ausrichtung eignen sich die Touren an der Seebenwand vor allem an heißen Hochsommertagen.

Schwierigkeit

Maximal 8. Anhaltend 6 bis 7, selten leichter. 7- obligatorisch

Absicherung

Mit Bohrhaken sportlich abgesichert. Zwischen den Haken ist klettern angesagt. Es können kaum Zwischensicherungen gelegt werden.

Material

60-Meter-Doppelseil, 12 Exen, Abseilausrüstung

Ausgangspunkt

Ehrwalder-Alm-Bahn (Zugspitz-Gebiet)

 Zustieg

Von der Ehrwalder Alm Richtung Seeben-Wasserfall. Später über Pfadspuren nach links zur Seebenwand. Man steigt zum tiefsten Punkt ab, hier befindet sich der Einstieg unter einem Überhang. Von der Ehrwalder Alm eine knappe Stunde Zustiegszeit.

Abstieg

Der letzte Stand ist mit dem „Latschentango“ vereint. Es kann über die Tour abgeseilt werden. Dies ist durch den schrägen Verlauf jedoch etwas umständlich. Es bietet sich auch die Möglichkeit, über ein Fixseil durch einen Latschengürtel Richtung Seebenalm aufzusteigen. Von hier Abstieg über den Seeben-Klettersteig, Immensteig oder Hohe Gänge.

Topos

Kletterführer Wetterstein Süd incl. Mieminger Berge. Siehe www.panico.de

Webinfo

www.climbers-paradise.com

www.bergprofi.com

 

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