Pfannenhölzer-Grat Überschreitung

Pfannenhölzer-Grat Überschreitung

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Manchmal ist es auch schön einfach nur zu Kraxeln und die Seele baumeln zu lassen. Kein schwerer Rucksack, kein Seil, keine Karabiner, morgens lediglich die Brotzeit, Trinkflasche und den Anorak einpacken. Peter und Charly wollten uns zu den Allgäuer Gras- und Schrofenbergen mitnehmen. Obwohl quasi vor unserer Haustüre gelegen, ist uns dieses Terrain fast schon abhanden gekommen. Jedes Wochenende steile glatte Wände, Schlüsselstellen, Bohrhaken, fernab von jeglichem Ursprung.

Back to the roots im Hintersteiner Tal, im Winter unternehmen wir hier gelegentlich Skitouren. An der Ostrach-Brücke versammelte sich noch der Mainstream, danach wird es schnell einsam. Wir wanderten durch den Buchenwald hinauf Richtung Eck Alpe, später weglos steil bergauf zur Mittagspitze. Ohne Peter und Charly hätten wir uns längst verlaufen. Der Almboden war von den „Schumpen“ (Jungvieh) den Sommer über umgeackert. Biker hätte man längst verbannt …

Auf der Mittagspitze die erste Rast, eine für mich völlig neue Umgebung, eine Wohltat mal was Neues zu erleben. Der Blick wurde frei zu den klassischen Allgäuer Gipfeln wie Bschießer, Gaishorn, Hochvogel, Großer Wilder, Schneck und wie sie alle heißen. Von wegen „die Seele baumeln lassen“. Mein Kommentar zum exponierten Abstieg von der Mittagspitze „da geh ich nicht runter“, verursachte großes Gelächter in der Runde. In einer Plaisir-Tour wär da längst ein Fixseil eingerichtet. OK, wird schon gehn. Ich war ja heuer auf dem Matterhorn, da ist das ganz normal. Der 20 Meter steile Abstieg im schrofigen 3er-Gelände erwies sich schließlich als griffig und abgeklettert. Trotz Absturzgelände alles halb so wild, Augen zu und durch, so marschierten wir den langen vor uns liegenden Weg weiter …

Der zackige Grat der „Pfannenhölzer“ verläuft von der Mittagspitze über eine ordentliche Strecke nach Westen Richtung „Kleiner Daumen“. Dabei überschreitet man unterwegs weitere Gipfel wie den „Spicher Kopf, Pfannenhölzer und das Kirchl“. Immer wieder trifft man auf kurze oder längere Klettereinlagen über verschieden Gratköpfe, die auch teilweise umgangen werden können. Dabei ist einiges an Gespür und Erfahrung für die richtige Wegfindung im schrofigen Steilgras gefragt. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind auf dieser Tour absolute Voraussetzung. Dazwischen befinden sich immer wieder längere flache Gratabschnitte, die von Latschen durchsetzt sind. Und dann wieder der Abstieg in eine Senke, um den nächsten Gratturm zu besteigen. Die interessanteste Passage ist eine 50 Meter hohe Wand, die in schöner Kletterei im 3. Schwierigkeitsgrad durch einen Schlupfkamin und anschließend auf eine Gratkante führt.

Etwa auf halber Strecke trifft man auf den markanten „Spicher Kopf“, dem einzigen Gipfel mit Kreuz während der gesamten Gratwanderung. Das Gipfelbuch ist erst das zweite in der gesamten Geschichte dieses einsamen und entlegenen Bergs. Es sind nur wenige Einträge pro Saison nachzulesen. Vor einigen Jahren hat ein Unbekannter das Kruzifix am Gipfelkreuz abmontiert und weit abseits unter einem Steinhaufen versteckt. Durch Zufall wurde es wieder gefunden, restauriert und wieder an den ursprünglichen Ort versetzt.

Der relativ einfache Weiterweg führt schließlich auf den eher breiten Gipfel der „Pfannenhölzer“. Hier endet die offizielle Gratüberschreitung und es kann nach links über steile Wiesenhänge zu einem Wanderweg abgestiegen werden. Ambitionierte Alpinisten werden es sich jedoch nicht nehmen lassen, über’s Kirchl weiter zum „Kleinen Daumen“ zu steigen. Das zieht sich allerdings, dafür wird man mit einem fantastischen Blick ins Illertal und Alpenvorland belohnt …

Fazit

Die einsame Gratwanderung wird hauptsächlich von ortskundigen Einheimischen unternommen. Die Tour verläuft fernab vom Mainstream und ist vor allem für Liebhaber langer Alpiner Kraxeltouren ein besonderes Erlebnis. Sie bietet eine gute Alternative zu den bekannten Allgäuer Paradegipfeln bzw. Klettersteigen …

Anspruch

Kondition, Orientierungsvermögen und Trittsicherheit im weglosen Gelände sind hier gefragt. Es müssen exponierte Kletterpassagen bis zum 3. Schwierigkeitsgrad bewältigt werden, deshalb ist Schwindelfreiheit absolute Voraussetzung. Es kann auch ein Seil mitgenommen werden, um die  steilsten Passagen abzusichern. Währen der ganzen Tour habe ich nur einen einzigen Schlaghaken gesehen, es kann aber auch an zahlreichen Felsköpfen mit Schlingen gesichert werden. Alles in allem ein tagesfüllendes Programm …

Zeitbedarf

Hinterstein – Mittagspitze ca. 2 bis 3 Stunden
Gratüberschreitung zum Gipfel „Pfannenhölzer“ ca. 3 bis 4 Stunden
Gratüberschreitung zum „Kleinen Daumen“ ca. 5 Stunden
Abstieg nach Hinterstein ca. 3 Stunden

Ausgangspunkt

Hinterstein im Oberallgäu. Ca. 6 Kilometer südlich von Bad Hindelang gelegen

Zustieg

Vom großen Wanderparkplatz über die Teerstraße Richtung Giebelhaus. Nach ca. 1,5 Kilometer Abzweigung nach rechts über die Ostrach-Brücke. Man folgt dem Weg zur Eck Alpe zunächst über Schotterwege, später über einen steilen Pfad durch einen Laubwald. Schließlich gelangt man auf freies Almgelände und verlässt den Weg bei einem Felsklotz nach links über steile Wiesenhänge hinauf zur Mittagspitze. Dies ist der Beginn der Gratüberschreitung. Ca. 2,5 Stunden vom Parkplatz.

Abstieg

Vom Gipfel der „Pfannenhölzer“ weglos nach links über Steilgras zum Wanderweg hinab, der zurück ins Tal führt. Teilweise schwierige Orienterung und Absturzgefahr. Deshalb ist es evtl. günstiger weiter Richtung Kirchl bzw. Kleiner Daumen zu steigen, um gefahrloser auf den Wanderweg zu treffen. Auf dem Talweg selbsterklärend nach links über die Mösle Alpe zurück nach Hinterstein. Ca. 3 Stunden.

 

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