Widderstein Nordwand-Express im Klein Walsertal

Widderstein Nordwand-Express im Klein Walsertal

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Das Karlstor ist eine beliebte Skitour in den Allgäuer Alpen, die bis ins Frühjahr hinein eine ausreichende Schneemenge samt Pulverschnee garantiert. Verantwortlich dafür ist die mächtige Nordwand des Widdersteins, der ihren Schatten in die weiten Hänge wirft. Dort ist mir schon immer eine markante Schneeflanke aufgefallen, die diagonal durch die Wand zieht. Irgendwann hatte ich den Wunsch, auf diesem Weg im Winter den Widderstein zu besteigen. Die Erstbesteigung dieser Rampe erfolgte bereits im Sommer 1897 durch die Seilschaft König/Schmierle.

In mehreren Etappen ging ich mit verschiedenen Partnern in  die winterliche Wand, setzte an den schweren Passagen Haken, bis wir beim 4. Anlauf den Gipfel erreichten. Meine Idee war die Überschreitung des Widdersteins mit Skiern, d. h. die Abfahrt über die Südflanke, und zurück zum Ausgangspunkt nach Baad. Wer sich an diese Tour wagt, kann sich auf ein anstrengendes, tagesfüllendes Programm einstellen: Skitour zum Karlstor, Skier an den Rucksack, Mixed-Climb durch die Nordwand mit anschließender Skiabfahrt über die Normalroute.

Anspruch

Die Skitour zum Karlstor ist bereits ein eigenständiges schweißtreibendes Ziel. Die ersten beiden Seillängen in der Wand sind oft vereist und mit den Skiern am Rucksack sehr anstrengend. Versierte Kletterer können die unteren zwei Felsseillängen über den rechts herabziehenden Gully in steilem ungesicherten Mixed-Gelände mit evtl. Lawinengefahr umgehen. Der weitere Weg ist zwar nicht besonders schwer, dafür lang und stark von den Verhältnissen, wie evtl. Vereisung oder Lawinengefahr, abhängig. Die durchschnittliche Steilheit beträgt 35 Grad, gelegentlich steilt sich die Schneeflanke bis zu 50 Grad auf. Versierte Bergsteiger können am „Laufenden Seil“ gehen. Ein Rückzug ist wegen der Querung im unteren Felsteil sowie der Abseilstelle und evtl. eingeschneiter Haken mühsam bzw. zeitaufwändig. Perfekte Biwakplätze sind im Notfall in Höhlen vorhanden. Im oberen Teil zur Schulter kann sich bei viel Triebschnee eine unüberwindbare Wechte in den Weg stellen. Der Abstieg über die Südflanke ist steil und je nach Erwärmung nachmittags oft lawinengefährdet. Deshalb sollten sich nur ausdauernde bzw. erfahrene Allrounder in die Tour wagen. Bei normalen Verhältnissen handelt es sich jedoch um eine Tour mit durchschnittlichen Schwierigkeiten.

Absicherung

Die unteren zwei Felsseillängen sind gut mit Bohrhaken gesichert. Am linken Rand der Schnee-Rampe darf je nach Schneemenge gelegentlich nach Haken gesucht werden. In Höhlen bzw. Gufel mit Flachstellen kann über den Körper gesichert werden.

Beste Zeit

Die Monate März und April sorgen für eine ausreichende Schneemenge, die sich bereits gesetzt hat (Trittschnee). Die Tage werden länger und es ist nicht mehr ganz so kalt in der Wand. Ab Mai setzt die Schneeschmelze ein und es gibt vermehrt Stein- bzw. Eisschlag. Durch den oberen Gullyrand fließt das Schmelzwasser.

Zeitaufwand

Ca. 2,5 Stunden bis zum Einstieg, ca. 5 Stunden durch die Wand, 1,5 Stunden für den Abstieg

Höhendifferenz

Ca. 1000 Hm mit den Skieren zum Einstieg, Wandhöhe ca. 400 m, Kletterstrecke ca. 600 m, ca. 1400 Hm Abfahrt

Material

Einfachseil, 12 Exen, Steigeisen, Pickel, Helm

Ausgangspunkt

Baad im Klein Walsertal/Österreich (1235 m)

Zustieg

Von Baad entlang des Ziehwegs ins Bärgünt-Tal. Nach ca. 15 Minuten links ab Richtung Bärgünt-Hütte. Auf einem Flachstück verlässt man den Weg nach links ins freie Skigelände. Nun immer der gut besuchten Skispur folgend bis ans Talende und anschließend rechts ab über den Riesenhang hinauf zum Karlstor (2110 m), der markanten linken Scharte zwischen Kleinem und Großen Widderstein. Kurz unterhalb des Karlstors nach rechts unterhalb der Widderstein-Nordwand bis zu einer großen Gufel zum Einstieg (ca. 2120 m) queren.

 Etappen

  1. Seillänge:

Vom rechten oberen Rand der Gufel ca. 30 m horizontal nach rechts queren. Mixed-climb auf vereisten, abschüssigen Felszonen bis zum 4. – 5. Grad. Stand bei einem herabhängenden 3-m-Fixseil.

  1. Seillänge

Zuerst ca. 8 m senkrechte Felskletterei,  anschließend über vereiste Felsen ca. 5 m nach rechts und schließlich wieder 8 Meter vertikal bis zum Beginn der Schnee-Rampe. Dort befindet sich ein Sicherungshaken. Felskletterei bis zum 6. Grad, Vereisung je nach Verhältnissen. Gut gesichert, aber mit den Skiern am Rucksack sehr anstrengend.

  1. + 4. Seillänge

Schneegestapfe bis zu einem herabhängenden Fixseil. Am linken Rand der Rampe je nach Schneemenge wenige sichtbare Bohrhaken.

  1. Seillänge

Am Fixseil nicht geradeaus empor. Hier nach rechts um einen Sockel bis zum Beginn einer Abseilstelle. Über ein Fixseil ca. 6 m hinab in einen Kanal.

  1. Seillänge

Durch den Gully ca. 10 Meter senkrecht empor, anschließend ca. 8 Meter diagonal nach links zu einem steilen Stand mit Bohrhaken an der Wand.

  1. – 12. Seillänge

Schneegestapfe entlang des linken Randes der Rampe. Wenige Haken sind je nach Schneemenge sichtbar. Gelegentlich bis zu 50 Grad steil. Je nach Verhältnissen gelegentliche Vereisung. Letzer Stand unterhalb der Schulter in einer Höhle mit Wandbuch.

  1. Seillänge

Rechts der Höhle ansteigend und über eine Wechte, je nach Verhältnissen links oder rechts davon, auf die markante Schulter.

  1. Seillänge

Von der Schulter nach links über brüchige Felszonen im 3. Schwierigkeitsgrad nach oben. 3 Haken, Stand an Block.

  1. Seillänge

Über einfaches Mixed-Gelände zum Gipfel (2533 m)

Topo für die Etappen

Widderstein-Nordwand-Express-Topo

Skiabfahrt

Über die Südflanke des Widdersteins, einer steilen Rinne, bis ans untere Ende der Felszonen. Danach rechtshaltend zum bereits sichtbaren Hochalppass (1938 m). Von hier über stets eingefahrene steile Hänge bzw. Vegetation zur Bärgüntle-Hütte und über den Ziehweg zurück nach Baad.

Die Sache mit den Skiern

Ich verwendete einen Kurzski mit einem Meter Länge und einer alten Silvrettabindung. Mit meinen alten Plastikbergschuhen konnte ich damit problemlos zum Einstieg gehen. Auch beim Anstieg durch die Wand erwiesen sich die Bergschuhe und kurzen Skier als vorteilhaft. Die Abfahrt vom Widderstein zurück ins Tal hingegen war die reinste Katastrophe. Bruchharsch, kurze Skier und wenig Halt in den Stiefeln erschwerten mir die Abfahrt. Bei einer weiteren Begehung würde ich aus abfahrtstechnischen Gründen die normale Skitourenausrüstung hernehmen.

 

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1 Gedanke zu “Widderstein Nordwand-Express im Klein Walsertal

  1. hey chef,
    Durchstieg geglückt, zum glück. Wandbuch endlich drin.
    Schön war es.
    Danke für die pizza, sugardaddy.
    :—)

    Bis zum nächsten mal

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