„Conquest“ an der Grauen Wand

„Conquest“ an der Grauen Wand

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Granit-Klettergebiete in der Schweiz: Wenn ich sie miteinander vergleiche, schneidet der Furkapass vielleicht mit am besten ab. Damit meine ich die Vielfalt des Routenangebots samt Felsqualität, dazu relativ kurze und überschaubare Zustiege. „Galenstock, Furkahorn, Bielenhorn, Hannibal“ und wie sie alle heißen. Das Ganze befindet sich inmitten einer hochalpinen eindrucksvollen Umgebung und gelegentlich müssen beim Zustieg auch Steigeisen angelegt werden. Nicht umsonst haben in der Gegend bekannte Erstbegeher wie „Niedermann, Remy, Känel usw.“ ihre Spuren hinterlassen …

Etwas tiefer gelegen, auf der Albert-Heim-Hütte, herrscht zuweilen fast schon internationales Ambiente. Abends sitzen Holländer, Engländer und Amerikaner am Tisch und eilen am nächsten Morgen hektisch zur Grauen Wand, um als jeweils erste Seilschaft am Einstieg zu sein. Die „Niedermann“ ist Bestandteil der 100 Pause-Extremtouren mit dementsprechendem Bekanntheitsgrad. Sie bietet tolle Kletterei in genialer Szenerie und moderate Schwierigkeiten bis 6a, dies lockt die Massen an, eine leichte Beute für eine ehemalige „Extremtour“ …

Klar, dass hier auch die allseits bekannten Remy-Brüder unterwegs waren. Neben „Accept“ haben sie im linken Wandbereich 1988 mit „Conquest“ eine der besten Riss-Seillängen der Alpen erstbegangen. Teilweise leicht überhängend; die wie mit einem Lineal gezogene 50 Meter lange „Super Fissure“ ist das Herzstück der Route und lässt sich zwischen den wenigen Haken gut mit Friends mittlerer Größe zusätzlich absichern. 2015 waren die Remys zuletzt unterwegs und haben der Tour noch einige Bolts spendiert. Bis auf eine 6c-Länge ist die Kletterei vielfach einfacher und bietet durchwegs schöne Klettermeter über strukturierte Platten, Piaz-Schuppen und Quergängen.

Die „Conquest“ reiht sich somit in die Serie der besten Remy-Touren ein und wird deshalb häufig begangen. Zwar hebt sich die Riss-Linie deutlich von den übrigen Seillängen ab, sie ist jedoch das begehrte Ziel vieler Seilschaften. Es empfiehlt sich ein längerer Aufenthalt auf der schön gelegenen Albert-Heim-Hütte, Ziele gibt’s genügend. Aufgrund des relativ einfachen und geringen Zustiegs von ca. 1,5 Stunden kann die Tour jedoch auch ohne Hüttenübernachtung vom Parkplatz aus gemacht werden.

Schwierigkeit

Die „Super Fissure“ ist für Riss-Spezialisten sicher kein Problem und kann kraftsparend geklettert werden. Sie ist offiziell jedoch mit 7a bzw. 6b obligatorisch bewertet. 4 Seillängen befinden sich im Bereich 6a bis 6c, weitere 4 Seillängen 5a bis 5c.

Absicherung

In der Route trifft man pro Seillänge durchschnittlich auf 2 – 6 Bohrhaken, in der Riss-Seillänge etwas mehr. Die Tour lässt sich durchwegs gut mobil absichern. Nach der letzten Sanierung kann die Route als solide ausgerüstet bezeichnet werden.

Material

Doppelseil, 12 Exen, Schlingen, mehrfach mittelgroße Keile und Friends, Abseilausrüstung

Ausgangspunkt

Tiefenbach, östlich der Furkapass-Höhe. Beim Hotel Tiefenbach passaufwärts fahren. Nach ca. 200 m rechts auf den Schotterweg abzweigen und beim Münz- und Ticketautomat anhalten. Dort können Tickets bis zu 13 Tagen gelöst werden. Anschließend bis zum Parkplatz Tätsch hochfahren. Die Gebühren betragen 7 CHF pro Tag, jeder weitere Tag 2 CHF.

Hüttenaufstieg

Vom Parkplatz Tätsch auf einem breiten und markierten Wanderweg meist flach zur Alber-Heim-Hütte. Ca. 1 Stunde.

Zustieg

Von der Albert-Heim-Hütte über den Pfad nach Westen Richtung Graue Wand. Anfangs entlang den Wasserleitungen und Markierungen, später verliert sich der Weg im Geröll. Man geht hinauf ins flache Gletschervorfeld und weiter zu einer Terasse nahe dem tiefsten Punkt des linken Wandbereichs der Grauen Wand. Dort befindet sich der Einstieg. Im Gegensatz zur Niedermann werden keine Steigeisen benötigt. Von der Hütte ca. 1 Stunde.

Abstieg

Abseilen über die Tour, teilweise an Felsköpfen

Übernachtung

Auf der Albert-Heim-Hütte, Reservierung empfehlenswert. Vom Parkplatz Tätsch bequem in ca. 1 Stunde erreichbar. Es kann auch auf dem Parkplatz biwakiert oder im Auto übernachtet werden.

Topo

Schweiz Extrem Ost, Filidor-Verlag

 

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