Der Große Walserweg am Großen Widderstein

Der Große Walserweg am Großen Widderstein

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Die Nordseite des Großen Widdersteins wird wegen seiner steilen Hänge und Pulverschneegarantie auf der Skitour zum Karlstor vor allem im Winter häufig besucht. Im Sommer ist hier deutlich weniger los, lediglich bei der Überschreitung des Kleinen Widdersteins oder am Ostgrat des Großen Widdersteins sind hier regelmäßig Bergsteiger anzutreffen.

Nachdem ich bei einer Winterbegehung der markanten Widderstein-Nordwand-Rampe eine lawinensichere Mixed-Zustiegs-Variante eingerichtet habe (siehe Skitouren Österreich), kam mir die Idee eine Kletterroute für den Sommer erstzubegehen. Das bereits vorhandene Material war deponiert, blieb nur noch der mühsame Zustieg über das lange Geröllfeld zu bewältigen. Im Winter mit Skiern alles kein Problem, im Sommer im weglosen Gelände ein endloser Hatsch. Zippo sicherte mich die ersten beiden Seillängen, am gleichen Tag kam Micha hinzu und wir schafften es noch bis zum 5. Stand. Mit verschiedenen Kletterpartnern (die machen bei solchen Anstrengungen nur einmal mit) erreichte ich wenige Tage später schließlich das obere Wanddrittel. Dank der hängengelassenen Fixseile waren wir wieder schnell am Wandfuß zurück und gelangten bei der nächsten Aktion mittels Steigklemme wieder einfach zum zuletzt gesetzten Haken. Blieb nur noch der nervige Anstieg zum Karlstor übrig, schwere Rucksäcke mit weiteren Seilen, Karabiner, Haken, und Akkus schleppen. Ein geeignetes Ziel für Alpinschulen, um das Gehen im weglosen Gelände zu trainieren …

Kaum zu glauben, irgendwann landeten wir hoch oben am Ostgrat, die Fixseile hingen jetzt in der Wand und die Feinarbeit konnte beginnen. Abräumen von losen Blöcken, Optimierung der Stände, Zwischensicherungen und Linienführung bzw. Umgehung des Bruchs. Am letzten Tag fiel mir ein Stein auf den Daumen, Platzwunde, Übelkeit und Schock,  jetzt nach 6 Wochen immer noch geprellt … (Bloß nicht zum Arzt, sonst wäre der bevorstehende Urlaub gelaufen gewesen). Ein paar Tage später folgte der Gesamtdurchstieg, wir entfernten die Fixseile und waren mit dem Gesamtergebnis mehr als zufrieden.

Die Route leitet nun durch eine logische Linie mitten durch die düstere, brüchig anmutende Nordwand des Großen Widdersteins, der Vergleich mit einer Dolomitenwand liegt nahe. Der Weg wurde entlang der kompaktesten Felszonen gewählt und bietet schöne und abwechslungsreiche Kletterei über Platten, Verschneidungen, Quergängen und griffige Wandstufen. Die Route ist perfekt mit Bohrhaken abgesichert und kann trotz des wilden Ambientes bedenkenlos begangen werden. Zwei Passagen erreichen den oberen 6. Grad, können aber auch gut mit Hakenhilfe geklettert werden. Die meiste Kletterei bewegt sich jedoch im 4. bis oberen 5. Schwierigkeitsgrad in schönem Felsgelände. Die Stände befinden sich oft auf bequemen Absätzen.

„Der Große Walserweg“ (ursprünglich die Völkerwanderung vom Wallis nach Vorarlberg) zählt zu den großzügigeren Unternehmungen in den Allgäuer Alpen.  Allein der Zustieg über das große Geröllfeld unter die Nordwand ist schweißtreibend und eine Anstrengung für sich, nach dem Motto: ein Schritt nach vorne, zwei zurück. Die anschließende Wandhöhe beträgt ca. 300 m bzw. 14 Seillängen incl. Querungen. Für Allgäuer Verhältnisse eine stattliche Kletterstrecke in diesem Schwierigkeitsgrad. Die Route endet auf dem Ostgrat des Großen Widdersteins. In weiteren 1,5 bis 2 Stunden kann in leichter Gratkletterei (3 – 4) weiter zum Gipfel gestiegen werden. Die Sicherungen müssen dabei allerdings selbst angebracht werden. Für den Abstieg über den Normalweg zurück zum Ausgangspunkt nach Baad müssen nochmal ca. 3 Stunden gerechnet werden. Es empfiehlt sich bei der Widderstein Alpe ein Bike für den Rückweg zu deponieren. Alternativ bietet sich die Übernachtung in der Widderstein Hütte auf der Südseite des Widdersteins an. Von hier aus können weitere südseitige Kletterziele am Großen Widderstein angegangen werden.

Wer auf den Gipfel verzichten möchte (ca. 1 – 2 Stunden Zeitersparnis) kann vom Ende der Route 4 mal 20 Meter nach links über den Ostgrat in eine Scharte abseilen (eingerichtete Stände versteckt am Grat) bzw. abklettern (2 – 3). Von hier über steile Schrofen, Geröll und Wiesen geradeaus hinab  zur Widderstein Hütte und über den Wanderweg nach rechts zurück zum Ausgangspunkt.

Schwierigkeit

Maximal 6+, meist 4 bis 5+ (6- obligatorisch)

Absicherung

Perfekt mit Bohrhaken. Die schweren Stellen können auch A-Null geklettert werden. Keile und Friends erübrigen sich.

Material

Doppelseil, 10 Exen, Schlingen, Keile und Friends für den Ostgrat. Evtl. Abseilausrüstung

Orientierung

Im unteren Drittel diagonal nach rechts. Anschließend geradeaus empor. Im oberen Drittel teilweise abwechselnd rechts bzw. linkshaltend. Die Linienführung ist meist durch die Haken vorgebeben.

Talort

Baad im Klein Walsertal (Österreich)

Zustieg

Von Parkplatz in Baad mit dem Bike (oder zu Fuß) zur Widderstein-Alpe (Bikedepot). Noch ca. 100 Meter auf dem Schotterweg weiter und anschließend über die Wiese nach links Richtung Karlstor. Über einen Pfad gelangt man zur Oberen Widderstein-Alpe. Von hier nach rechts durch einen kleinen Wald und weiter zu einem großen Hinkelstein. Ein paar Meter weiter überquert man ein Bachbett und erreicht das große Schuttkar, das zur Widderstein-Nordwand hinaufführt. Nun meist weglos und mühsam empor zur Wand. Der Einstieg befindet sich im rechten Wandbereich bei einer kompakten Platte.

Abstieg

Vom Ausstieg nach rechts weiter über den Ostgrat auf den Widderstein-Gipfel und Abstieg über den Normalweg auf die Widderstein Südseite. Man trifft auf den Wanderweg, der über den Hochalp-Pass nach rechts zurück ins Bärgüntle Tal führt. Bei Zeitmangel kann vom Ausstieg nach links 4 mal 20 Meter in eine Scharte abgeseilt bzw. abgeklettert werden (2 – 3). Von hier nach rechts über steile Schrofen und Geröll rechtshaltend zur Widderstein Hütte absteigen. Über den Wanderweg gelangt man nach rechts zurück zum Hochalp-Pass und weiter ins Bärgüntletal nach Baad.

Zeitbedarf

Zustieg ca. 2,5 Stunden
Kletterzeit Walserweg ca. 3 – 4 Stunden
Kletterzeit Ostgrat ca. 1,5 – 2 Stunden
Abstieg vom Widderstein ca. 1 Stunde
Zurück nach Baad ca. 2 Stunden

Weitere Topos

Kletterführer Allgäu & Ammergauer, Panico Verlag

 

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