„Ende Nie“ am Breithorn in den Loferer Steinbergen

„Ende Nie“ am Breithorn in den Loferer Steinbergen

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Sie ist eine der längsten Ostalpen-Kletterrouten und gleichzeitig die Tour der Superlative: im ersten Jahr bereits über 100 Wiederholungen, die schellste Zeit in 2,5 Stunden (wie soll das gehen, etwa solo?), Damenbegehungen, trotz der abschreckenden Reibeisenstruktur des Gesteins, Hubschrauberbergungen, Biwaks, Abbrüche im Dunkel der Nacht, fluchende Wegsuchende, Krückenbegehungen, internationaler Belagerungszustand usw. Nur wenige Kletterrouten wurden in einer solch kurzen Zeit berühmt.

Es war einer meiner anstrengendsten Klettertage, vergleichbar mit einer Marmolada-Tour, der Salbit-Westgrat ist, obwohl zeitlich genauso lang, Plaisir dagegen. Morgens um 5 Uhr los, um 7 Uhr am Einstieg, mit Pausen und Wegfindung um 18 Uhr auf dem Gipfel. Und dann noch 2,5 Stunden Abstieg zur Schmidt-Zabierow-Hütte. Wenn man dort erzählt, dass man von der „Ende Nie“ kommt, dann dreht das Hüttenpersonal unverzüglich den Gashahn wieder auf, um zu später Stunde noch ein Essen aufzubereiten. Das wohlverdiente Bier nahm ich nicht mehr wirklich wahr, dies gab mir noch den Rest, um möglichst bald darauf das Lager zu betreten …

Der Zustieg über Almen und dem weglosen Bachbett zum Einstieg ist hier nebensächlich, danach beginnt allerdings das große Abenteuer. Die Erstbegeher Adi Stocker & Co. hatten’s drauf und kamen mit den nötigsten Zwischensicherungen aus, was die Orientierung für Wiederholer nicht zwangsläufig erleichtert. Aber dafür waren sie sehr kreativ: die Route verläuft zu Beginn am rechten Schluchtrand entlang der Begrenzungswand, teilweise über Bänder oder wieder originell absteigend. Nach 10 Seillängen diagonaler Querungen gewinnt man schließlich endlich an Höhe. Da erlebt man im oberen 5. Grad teilweise Runouts bis zu 10 Metern, mobile Zwischenssicherungen sind oft schwierig bzw. zeitraubend anzubringen. Nach dem ersten Drittel wurde die Kletterei zwischenzeitlich etwas leichter, dafür die Orientierung wieder anspruchsvoller.

Irgendwann hörten wir Stimmen von oben, die waren aber früh dran, wie wir vermuteten … Wir gelangten in der Mitte der Tour zum nächsten Steilaufschwung. Kamine, Verschneidungen, alles ziemlich einfallsreich und tricky zu klettern. Nach mehreren Seillängen ging die Wand dann in ein großes unübersichtliches Schrofengelände mit eingelagerten Türmen über und der Weiterweg verwandelte sich plötzlich in ein großes Fragezeichen. Das Topo zigmal gelesen, die Perspektive schwer auszumachen, wie soll man das alles finden? Keines der Topos, die ich später las, hat das genau ersichtlich hinbekommen (siehe Topo Headwall).

Ein Band führte uns schließlich nach rechts wieder an einen Standplatz. Auf zur 30. Seillänge in der Headwall … Die Akkus waren längst leer, es half nichts, da mussten wir durch.  Es folgten nochmal 8 schwer auszumachende Längen bis zum unteren 7. Grad samt sportlicher Adi-Stocker-Absicherung. Nach dem Wandbuch lehnte sich der Berg schließlich zurück und wir erreichten über Schrofen und Geröll nach weiteren 300 Metern den Gipfel. Keine Zeit für Freude und Erleichterung, wir waren einfach nur ausgepowert und mussten vor der Dämmerung hinab zur Hütte. Oder vielleicht ein Biwak auf dem Gipfel? Dann doch lieber der Abstieg …

Von wegen Normalweg, Ende der Anspannung usw., was man jetzt gern hätte. Ohne Kreativität im unbekannten 3er-Abstiegs-Gelände landet man hier im Nirvana, keine Chance im Dunkeln. Irgendwie und irgendwann landeten wir auf dem Wanderweg bei der Waideringer Nieder, der in weiteren 2 Stunden hinab zur Hütte führte.

Alles übertrieben? Von Dunkelheit zu Dunkelheit, die Tour ist einfach nur lang, gelegentlich schwer und nicht immer einfach zu finden. Daher empfiehlt es sich, leichtes Gepäck und bequeme Kletterschuhe zu tragen. Auf der Hütte trafen wir schließlich die Seilschaft, deren Stimmen wir unterwegs vernahmen: es war ihr zweiter Tag nach einem ungeplanten Biwak …

Schwierigkeit

Einzelne Stellen 7-, vielfach 5 bis 6+, wenige Seillängen auch leichter. 6+ obligatorisch. Wandhöhe ca. 900 m, Kletterlänge ca. 1500 m.

Topo

Absicherung

Bohrhakenabstände von 6 – 10 Metern. Die meisten schweren Stellen sind zwingend zu klettern. Gelegentlich kann mit Friends entschärft werden.

Material

Doppelseil, 10 Exen, Schlingen, Keile und Friends, evtl. Biwaksack

Orientierung

Im unteren Drittel teilweise absteigend entlang der rechten Schluchtwand. Danach etwas rechtshaltend und etwas leichter bis zu einem breiten Schotterband. Hier wieder nach links in ein Verschneidungssystem mit Durchschlupf und geradeaus empor. Man gelangt zu einem großen Absatz und über Schuttbänder zur Headwall. Man geht auf einem schmalen Schuttband horizontal nach rechts (ist in den Topos nicht klar ersichtlich) und klettert geradeaus empor, bis sich die Wand zurücklegt (Wandbuch). In einer weiteren knappen halben Stunde über Schrofen hinauf zum Gipfel.

Wandansicht

Headwall

Headwall

Ausgangspunkt

Zwischen Waidring und Lofer befindet sich die Sandbichl-Forstraße (Mülltrennungsanlage). Bei einer Schranke (Parkmöglichkeit) geht es nach links ins Strubtal zur Metzger Alm.

Zustieg

Vom Parkplatz zuerst flach nach links. Ca. 400 m nach der ersten Kehre folgt man einem breiten Almweg, der nach links steil bergauf zur Metzgeralm führt. Ca. 100 m links davon befindet sich eine Jagdhütte. Direkt dahinter führt ein Steig in den Wald und man geht bis ans Ende einer Lichtung. Auf einem Pfad kurz absteigen und einen Graben überqueren. In wenigen Minuten erreicht man ein Bachbett, über das man nach rechts hinauf zum Einstieg gelangt. Stellen 2 – 3.

Abstieg

Über den Südwestgrat. Einige Gratabbrüche werden links bzw. rechts im 3. Schwierigkeitsgrad umgangen. Man erreicht den Waidringer Nieder (2302 m), einem Joch, an dem die Wanderwege vorbeiführen. Von hier nach links in 1,5 Stunden zurück zur Schmidt-Zabierow-Hütte (1966 m) bzw. in weiteren 2 – 3 Stunden ins Tal.

Zeitbedarf

Zustieg ca. 1,5 – 2 Stunden. Kletterzeit ca. 10 Stunden. Abstieg zur Hütte ca. 2,5 Stunden.

Topo

Longlines, das Buch der längsten Klettereien in den Nördlichen Kalkalpen, Panico Verlag

 

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