Holes, Cooles & Fools am Gimpel-Vorbau

Holes, Cooles & Fools am Gimpel-Vorbau

Der Gimpel-Vorbau entwickelt sich immer mehr zum Hotspot in den Tannheimer Bergen. Vor einigen Jahren gab es hier lediglich ein paar klassisch alpin angehauchte Anstiege, mittlerweile reicht das Angebot von der gut gesicherten Plaisirtour bis hin zu anspruchsvollen Mehrseillängen-Sportkletterrouten. Während die benachbarte Zwerchwand oft von brüchigen Zonen und Bändern durchzogen ist, bietet der Gimpel-Vorbau überwiegend kompakte Felsbereiche mit einer Vielzahl an Löchern.

Die jüngste Kreation „Holes, Cooles & Fools“ stammt von Andi Baur und Timo Lang aus der Kemptener Kletterszene. Bereits im Vorjahr richteten die beiden Erstbegeher in der gleichen Wand den „Gimpelgeist“ ein. Dabei entdeckten sie in unmittelbarer Nähe kompakte Plattenzonen, die sich für eine weitere Route anbot. Dass dies eine harte Nummer werden würde, war ihnen von vornherein klar. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen,  nahmen sie die Linie entschlossen in den Angriff.

Die ersten beiden Seillängen führen zunächst über einen Vorbau und durch eine schöne Verschneidung noch relativ human im 6. Grad bis zum Beginn der Hauptschwierigkeiten. Der 2. Standplatz befindet sich bei einer Gufel, die über einen anstrengenden Überhang nach links umgangen wird. Wieder rechtshaltend gelangt man schließlich in die markante Plattenzone im mittleren Wandbereich. Eine Reihe von mehr oder weniger großen Fingerlöchern ermöglicht hier einen kletterbaren Weg durch die kompakte Wand. Dabei sind immer wieder harte Boulder-Passagen zu bezwingen, um an das nächst größere Loch für eine Ruheposition zu gelangen. Die Seillänge ist anhaltend schwer, mit 14 Haken sehr lang, und der 8. Grad zwingend zu klettern.

Danach legt sich die Wand etwas zurück und führt in logischer Linie unter einen mächtigen Überhang, der frei geklettert die Schlüsselstelle im unteren 9. Grad bildet. Dabei gilt es in abdrängender Lochkletterei den rettenden Zangengriff zur erreichen, um wieder in flacheres Gelände zu gelangen. Die Erstbegeher richteten an dieser Stelle eine etwas leichtere Umgehungsvariante ein (7-), die wieder zurück in die Tour leitet. Die letzte Seillänge führt schließlich nach rechts hinauf zur Gipfelwiese und dient im 5. bis 6. Grad angenehm der Entspannung.

Die gefährlichen Passagen und Überhängen sind ausreichend mit Bohrhaken gesichert, um nicht auf den darunterliegenden Absätzen zu landen. Die plattigen Passagen weisen etwas weitere Hakenabstände auf, dazwischen muss der 8. Grad zwingend beherrscht werden. Ein potentieller Sturz endet hier jedoch relativ glimpflich, da man sich in der steilen glatten Wand befindet.

Nachdem Andi und Timo im Herbst 2018 die Tour vollendeten, war eine durchgehend freie Begehung noch lange nicht in Sicht. Sie nutzten den Winter in der Halle, um sich immer wieder zu pushen. Ein Jahr später war es nun soweit: nach einigen Trainingseinheiten samt Flugstunden in der Wand, gelang ihnen die erste freie Begehung der „Holes, Cooles & Fools“.

Fazit: Neben den Hölzler-Touren an der Baldo-Platte ist dies nun der anspruchsvollste Anstieg am Gimpel-Vorbau. Der Weg führt in eleganter und logischer Linie steil hinauf, bis sich die Felsen in einer Wiese verlieren. Im mittleren Bereich ist die Kletterei anhaltend schwer und durchwegs spannend. „Richtig coole Kletterei“, wie es Andi beschreibt. Und ich kann dies, wenn auch nur als Nachsteiger, bestätigen. Wer den 8. Grad beherrscht, findet hier ein äußerst lohnendes Ziel das sicher bald zu den gefragten Tannheimer Extremtouren zählt. Der relativ kurze Zustieg und die Überschaubarkeit tragen dazu bei …

Schwierigkeit

3 Seillängen bis zum 6. Grad, 3 Seillängen vom 8. bis zum unteren 9. Grad. Der 8. Grad muss zwingend geklettert werden. Die Schlüssel-Länge kann mit 7- umgangen werden.

Absicherung

Die gefährlichen Passagen und steilen Überhänge sind ausreichend mit Bohrhaken gesichert. Die Plattenzonen weisen mit 3 bis 5 Meter oft etwas weitere Hakenabstände auf, ein Sturz ist hier jedoch relativ ungefährlich. Die 6er-Längen sind vergleichsweise gut abgesichert.

Material

60-Meter-Doppelseil, 14 Exen, Abseilausrüstung

Talort

Nesselwängle im Tannheimer Tal (Tirol). Der Parkplatz befindet sich am westlichen Ortsrand

Stützpunkt

Gimpelhaus. Vom Parkplatz in 1,5 Stunden erreichbar. www.gimpelhaus.at

Zustieg

Vom Gimpelhaus auf dem Wanderweg Richtung Rote Flüh bzw. Gimpel. Nach Erreichen des Gimpel-Vorbaus nach rechts und über ein Schuttkar hinauf zum Einstieg. Von der Hütte ca. 45 min.

Abstieg

Vom Ausstieg über ein Grasband links hinab zu einem Fixseil, das zur Abeilpiste leitet. Nach 3maligem Abseilen (30 m, 50 m, 40 m) erreicht man den Wandfuß

Bildgallerie

Schreibe einen Kommentar