„Hydrophobie“ an der Seebenwand

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Die Seebenwände sind vor allem im Hochsommer sehr beliebt, um bei großer Hitze im Schatten klettern zu können. Die Routen befinden sich in einer nordseitigen Arena mit steil abfallenden, äußerst kompakten und zugleich extrem wasserzerfressenen Plattenfluchten. Darüberliegende Wiesenteppiche ähneln einem Schwamm, der das Wasser nach längeren Regenfällen langsam, aber stetig über die Wände rinnen lässt. Die Nähe zum nahegelegenen Seeben-Wasserfall sorgt für eine hohe Luftfeuchtigkeit und trägt sicher auch zur rauen Felsbeschaffenheit bei. Nach längeren Regenfällen dauert es ein paar Tage bis die Wände wieder trocken sind.

Zu den Toptouren (Welcome to Ehrwald, Tirol Plaisir usw.) zählt auch die etwas abenteuerlichere „Hydrophobie“. Die ersten 3 Seillängen im 5. Grad sind so griffig und rau, dass sie auch bei Regen geklettert werden könnten. Gleich danach folgt die Crux in der Tour: die ersten Meter sind oft feucht und es gilt einen horizontalen Dachgürtel zu überwinden, der die Nerven etwas strapaziert. Wenig vertrauensvolle Felszacken, die eigentlich zum Antreten geeignet wären, sollte man besser meiden. Bei meiner Erstbegehung vor 15 Jahren sah ich dies noch relativ gelassen, ich wollte unbedingt einen Zugang in den oberen Wandteil ermöglichen. Das darunter führende Seil befindet sich direkt in Schusslinie potentiell herabfallender Steine …

Wer sich jedoch dazu überwindet, den anstrengenden A-Null-Überhang in Angriff zu nehmen, wird danach mit verschwenderischem Edelfels belohnt (vgl. Oberreintal, Alpawand, Reiter Alm usw.). Es folgen steile Wandabschnitte und Verschneidungen, gelegentlich auch leicht geneigte Plattenfluchten, mit konstant megarauen Felsstrukturen behaftet. Die Standplätze befinden sich oft auf bequemen Bändern, wo die engen Kletterschuhe ausgezogen werden können. Die Tour ist ingesamt sehr abwechslungsreich, wird nach oben hin immer eindrücklicher und endet schließlich unter den Latschen, wo sich der erste Abseilstand befindet.

Der phantastische Blick hinüber zur Zugspitze ist allgegenwärtig und an den Standplätzen bleibt genügend Zeit, um die „Neue Welt“ (berühmte Skitourenabfahrt vom Schneefernerkopf mit Abseillstelle) aus der Ferne zu betrachten. Die Routen an den Seebenwänden sind eigentlich alle schön, der Fels für die Gegend ein Highlight. Die „Hydrophobie“ setzt noch eins drauf, weil sie trotz der guten Absicherung gar nicht so leicht zu bekommen und etwas abwechslungreicher ist. Wer mal etwas „Großartiges“ erleben möchte, sollte in die Tour einsteigen. Wie lautet doch jener Eintrag ins Wandbuch? „Schokolade nicht vergessen, die beste Nervennahrung für den exponierten Überhang“. Aber keine Angst, der Rest ist perfektes Alpines Genussklettern …

Schwierigkeit

In den unteren 3 Längen +/-5. Das Dach wird in schwieriger technischer Kletterei (A3) bezwungen. Danach überwiegend 6 bis 6+. Maximal 7 bzw. 6+ obligatorisch.

Absicherung

Die Route ist perfekt mit Bohrhaken eingerichtet. An den Ständen befinden sich Ketten mit Abseil-Karabinern. Das Dach ist üppig mit Bohrhaken eingerichtet.

Ausrüstung

60-Meter-Doppelseil, 12 Exen, evtl. Trittschlingen für den Dachgürtel, Abseilgerät

Ausgangspunkt

Ehrwald beim Zugspitz-Massiv. Der Parkplatz befindet sich bei der Ehrwalder-Alm-Bahn.

Zustieg

Man folgt dem beschilderten Weg zum Seebener-Wasserfall-Klettersteig. Ca. 100 m davor verlässt man den Pfad weglos nach links, überquert den Bachlauf und schreitet weiter zum Wandfuß. Hier nach links bis zum tiefsten Punkt absteigen. Man folgt dem Pfad wieder aufsteigend weiter nach links bis zum Wandausbruch unter dem markanten Dachgürtel. Der Einstieg befindet sich etwa mittig der großen Plattenflucht.

Abstieg

Abseilen über die Route. Mit einem 60-Meter-Seil kann jeweils ein Stand übersprungen werden. In der Dachpassage ca. 10 m überhängend.

Topos

Kletterführer Wetterstein Süd incl. Mieminger Berge www.panico.de

Webinfo

www.climbers-paradise.com

www.bergprofi.com

Bildgallerie

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