Klettern am Ofen

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„Zum Ofen, da musst du hin“ hat mir mal ein Schweizer Kletterer vorgeschwärmt. Diesen Spruch habe ich 25 Jahre lang nicht vergessen und immer wieder hörte ich von bekannten Routen wie die „Chrüzspinne, Halma usw.“. Im Sommer 2020 verschlug es uns endlich ins Melchtal und gönnten uns zunächst einmal das exclusive Sportklettergebiet Melchsee-Frutt. Gerade recht zum einklettern, dachten wir, oder genauer gesagt: die knappen 3 Stunden Zustieg zum Ofen hörten sich nicht gerade einladend an, so schoben wir das Ziel lieber vor uns her …

Es half nichts, da mussten wir durch. Am Parkplatz Turrenbach sattelten wir bereits die Räder, da sprach uns ein Eidgenosse an: Wo wollt ihr denn hin? Zum Ofen. Ja, dann steigt ein, ich nehm euch ein Stück mit. Wir wussten nicht wie uns geschieht und fuhren mit seinem Geländewagen über eine alternative Strecke hinauf zu einer Alm. Hier durften wir unsere schweren Rucksäcke in eine Materialseilbahn legen, die zu einer weiteren Hütte führte. Wir gingen zu Fuß weiter, holten unsere Rucksäcke ab und der Hüttenwart zeigte uns den Pfad, der hinüber zum Ofen führte. „Den hab ich letztes Jahr neu hergerichtet und mit blauen Punkten markiert. Den könnt ihr nicht verfehlen“. Was für ein Glück, nach 45 Minuten standen wir unter der Wand …

Nun musste nur noch der richtige Einstieg gefunden werden. Wir entschieden uns von den zahlreichen Routen für die „Spitzmuis“, mit maximal 6a eine etwas humanere Erscheinung am Ofen. „Rantasten“ war die Devise, denn wir wussten ja nicht, was da auf uns zukam …

1. Seillänge (5c)

Sie führt diagonal links aufsteigend zum ersten Stand. Bereits hier erahnte ich, was das für ein Felsgelände ist: alles sehr kompakt, megarau und immer diese horziontal geschichteten Faltungen.

2. Seillänge (4a)

Etwas schwierig zu finden. Nach einer Links-Schlaufe führte sie über einen fotogenen, ausgesetzten Rechtsquergang unter eine steile Wand.

3. Seillänge (5c)

Der Blick nach oben verriet: grobgezackte, waagrechte Risse, soweit das Auge reicht. Wunderbare, großgriffige Kletterei (die an Leonidio erinnert), führte hinauf zum nächsten Stand.

4. Seillänge (5c+)

Anfangs noch steil, dann Übergang in einen plattigen Bereich. Sehr schöne Passagen mit kleinen Leisten und Abflachungen zum Antreten.

5. Seillänge (5c)

Über eine schrofige Querung Wechsel in den linken Wandbereich. Hier dann wieder sehr schöne, griffige Wandkletterei bis zu einem Band.

6. Seillänge (6a)

In der Headwall nochmal durchgehend steile und ausgesetzte Wand bis zum Ausstieg hinauf. Sehr schöne Kletterei!

Fazit

Die „Spitzmuis“ ist eine Plaisirtour ersten Ranges. Durch die angenehme Bohrhaken-Absicherung wird stressfreies Klettern garantiert. Die variantenreichen, oft großgriffige Felsstrukturen samt Rauigkeit steigert die Laune noch dazu. Wer bis zum oberen 6. Schwierigkeitsgrad klettern möchte, sollte hier einsteigen!

Der Abstieg zum Parkplatz zeigte uns, wie weit man hier laufen muss um an den Ofen zu gelangen. Der lange Weg lohnt sich jedoch, am besten mit Biwak, um am nächsten Tag gleich noch eine weitere Tour dranzuhängen. Mittlerweile gibt es hier ca. 40 Routen mit bis zu 10 Seillängen. Von genussreichem Plaisir bis hin zur anspruchsvollen Sportklettertour findet wohl (fast) jeder ein geeignetes Ziel …

Schwierigkeiten in der „Spitzmuis“

Überwiegend 5c, kurze Passagen leichter, maximal 6a (5c obligatorisch)

Absicherung

Die Route ist perfekt mit Bohrhaken abgesichert. Keile und Friends werden nicht gebraucht.

Ausrüstung

60-Meter-Doppelseil, 12 Exen, Schlingen, Abseilausrüstung

Ausgangspunkt

Anreise von Kerns ins Melchtal. Ca. 1 km vor dem markanten Sportcamp Melchtal zweigt nach links eine kleine Straße nach Turrenbach ab. Hier befindet sich ein kleiner Wanderparkplatz.

Zustieg

Es ist vorteilhaft, für den Rückweg das Bike mitzunehmen. Man folgt einer schmalen Straße nach rechts bis zur Alp Unter Boden (2 Stunden). Augen auf! Hier zweigt ein unscheinbarer Pfad mit blauen Punkten nach links ab. Zunächst durch Lichtungen, später über ein mühsames Geröllfeld hinauf zur Wand. Der Einstieg befindet sich rechts eines markanten Vorbaus und wird über steile Grasflanken erreicht. Die erste Seillänge zieht diagonal nach links empor. Es ist ratsam, das Topo genau zu studieren, um den richtigen Einstieg zu finden. Siehe www.melchsee-frutt.com

Abstieg

Abseilen über die Route. Es ist etwas mühsam, um an den 4. Stand zu gelangen (Querung). Einfacher ist es, über die benachbarte Route „Flueblüemli“ abzuseilen.

Topos

Kletterführer Schweiz Plaisir Ost klettern-shop.de

Webinfo

www.melchsee-frutt.com

www.sac-cas.ch

www.bergsucht.ch

Bildgallerie

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