Klettern in Finale

Klettern in Finale

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Finale war lange Zeit das begehrte Ziel der Sportkletter-Szene, mittlerweile hat sich jedoch so einiges relativiert: Die Mode-Touren wurden mit der Zeit immer speckiger, viele pilgern jetzt nach Oltre-Finale, 20 Kilometer weiter Richtung französische Grenze. Stattdessen haben nun die Biker die Gegend für sich entdeckt und lassen sich massenweise zu den zahlreichen Trails hinauf shuttlen. Der legendäre wilde Campingplatz am Monte Cucco ist nun flächenmäßig halbiert und gebührenpflichtig. Geblieben sind der Flair samt ausgelassenem Gelage und die Pizzeria „Il Rifugio“ mit ihrem ebenso legänderen Wirt, wenige Meter unter dem Campingplatz.

Jahrelang war dies Ziel meiner Oster- und Herbstferien, wenn aufgrund des schlechten Wetters in den Alpen oft nichts ging. Das Auto blieb eine Woche lang am Campingplatz stehen, die  zahllosen Sportkletter-Sektoren waren zu Fuß erreichbar und wir kannten hier jede Ecke. Wir mussten uns die Kräfte genau einteilen, um bis ans Ende des Urlaubs durchhalten zu können: Klettern bis zum Anschlag, abends regelmäßig Pizza samt Vino Rosso im Rifugio und man war gespannt, wen man diesesmal wieder trifft, die Szene machte süchtig …

August 2017: In den Alpen wieder einmal eine Woche Dauerregen. Ab nach Finale, vormittags im Schatten klettern, nachmittags Baden im Meer. Die Hitze war erträglich, alles nur eine Frage der Logistik. Der aktuelle Kletterführer umfasst jetzt 800 Seiten und es werden zahlreiche neue Sektoren aufgelistet. Unweit des Campingplatzes wurde u. a. vor Kurzem die „Falesia del Gorilla“ erschlossen. Am Wandfuß Kahlschlag, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen: Hier bieten sich nun einige moderate Routen bis 6b mit optimaler Bohrhakenabsicherung und noch (!) rauer Felsbeschaffenheit an.

Die längsten Routen mit bis zu 12 Seillängen befinden sich am Bric Pianarella unterhalb des Campingplatzes Richtung Finale. Die vielbegangenen Klassiker „Vaccari“, Grimonett“, „INPS“ usw. sind an manchen Stellen mittlerweile maßlos abgespeckt, Grund für uns, eine der neueren  Linie anzutesten. Allerdings ist die Wand inzwischen mit zu vielen Routen zugepflastert, sodass man sich kaum mehr zurechtfindet – es sei denn, man ist Local, Erschließer oder Kenner des Massivs. Da hilft auch kein Topo mehr weiter und die Frage „ob wir noch richtig sind“ erübrigte sich zunehmends. So machten wir einen Kompromiss aus Schwierigkeit, Schönheit und absehbarer Absicherung und kletterten durch unsere selber kreierte „Mix-Tour“.

Unten der Grimonett-Einstieg, an Freiklettern aufgrund der Politur kaum mehr zu denken. Auf dem breiten Band gelangten wir nach links in langes Verschneidungs-System mit überraschend rauem Fels, fernab der gängigen Mode-Touren. Schöne Kletterei führte uns zu einem anstrengenden Überhang, darüber nach links zur plattigen Headwall. Kaum Begehungsspuren, spannende Klettermeter samt sportlicher Absicherung, nach oben hin nochmal zwei leichtere Seillängen, und wir gelangten ans Ende der Route.

Fazit: Wer sich am Bric Pianarella in eine etwas anspruchsvollere Tour wagt, ist meist alleine unterwegs und wird dazu noch mit rauer Kletterei belohnt. Die quarzigen Wandausbrüche specken wohl nie ab und sind einzigartig an diesem breiten Massiv. Der Andrang in den vielen Sportkletter-Sektoren verteilt sich auf ein angenehmes Maß, je nach Himmelsrichtung kann im Schatten oder in der Sonne geklettert werden. Der Campingplatz unterhalb des Monte Cucco ist nach wie vor der zentralste Ausgangspunkt für die einzelnen Gebiete: Preisgünstig, die sanitären Anlagen mittlerweile gepflegt, Grillstelle, Boulderwand, Pizzeria und mitten in der Kletter-Szene …

Bric Pianarella

Zahlreiche Routen bis zu 12 Seillängen. Wandhöhe ca. 250 m. Die von uns gewählte „Mix-Tour erreicht Schwierigkeiten bis 6c, 6a+ obligatorisch. Absicherung: Durchgehend mit Bohrhaken, mit kleinen Friends kann gelegentlich optimiert werden. Vom Campingplatz entlang des Teerwegs hinab Richtung Finale zur Hauptstraße. Nach ca. 100 m befindet sich rechts eine schmale Brücke. Parken am linken Straßenrand. Ein markierter Wanderweg führt hinauf zur Wand. Nach ca. 10 Minuten gelangt man über einen verwachsenen Pfad nach rechts zur markanten Einstiegsplatte. Abstieg: Vom Ende der Routen konsequent linkshaltend zurück zum Ausgangspunkt. Ca. 20 Minuten.

Falesia del Gorilla

20 Routen im Schwierigkeitsgrad 5a – 6b und einer Länge von bis zu 35 Metern. Für Finale-Verhältnisse plaisirmäßig abgesichert. Vom Campingplatz über den Wanderweg Richtung Finale, anschließend entlang der Beschilderung nach rechts absteigen. Ca. 20 Minuten.

Anfahrt

Autobahn Genua – Ventimiglia, Abfahrt Feglino. Man fährt zunächst Richtung Finale Ligure. Nach ca. 1 km gelangt man zu einer Abzweigung, die nach links Richtung Orco führt. Über die steil ansteigende Straße erreicht man nach ca. 2 km den Campingplatz „Cucco Basecamp“ auf der rechten Straßenseite. Links unterhalb befindet sich die Pizzeria „Il Rifugio“.

Beste Zeit

Frühjahr und Herbst. Es handelt sich jedoch um ein Ganzjahresklettergebiet, je nach Himmelsrichtung kann im Schatten oder in der Sonne geklettert werden. An warmen Sommertagen bietet sich die Nordwestwand des Bric Pianarella an.

Topo

Kletterführer Finale Climbing, deutschsprachig. Verlag Versante Sud

 

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2 Gedanken zu “Klettern in Finale

  1. Hallo Rettig,
    vielen Dank für deinen Kommentar. Das macht schon sehr viel Arbeit, die ganzen Berichte zu schreiben und zu gestalten. Da freue ich mich natürlich auf ein positives Feedback der Leser …
    Weiterhin viel Spaß wünscht
    Pat

  2. Schön gestaltete informative Seite. Macht Spaß, die Berichte über viele Besteigungen und Kletterouten, die ich z.T. selbst kenne, zu lesen.
    Habe hier auch neuere Informationen für die Urlaubsplanung gefunden.

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