Langkofel Normalweg

Langkofel Normalweg

Hoch über St. Ulrich im Grödnertal erhebt sich dieser imposante Gipfel in der gleichnamigen Felsgruppe. Er sieht aus wie überdimensionaler Backenzahn und stellt die benachbarten Sella-Türme deutlich in den Schatten. Man kann sie auch gar nicht miteinander vergleichen. Während der Langkofel mehr den Bergsteigern und Alpinisten vorbehalten ist, tummeln sich an den Sella-Türmen massenhaft die Kletterer an den steilen Wänden.

Der Normalweg auf den Langkofel zählt zu den anspruchsvollsten in den gesamten Dolomiten. Nicht was die klettertechnischen Schwierigkeiten betrifft – vielmehr ist es die Wegfindung und Alpine Erfahrung, was den Bergsteiger auf die Probe stellt. Mit einer Kletterstrecke von ca. 1500 m ist der Anstieg sehr lang und erfodert ein zügiges Klettern inclusive Kondition. Vor allem bei hereinbrechendem Nebel ist es in diesem Labyrinth aus Bändern, Schluchten und steilen Wänden nicht ganz einfach, den richtigen Weg zu finden. Zwar befinden sich am Normalweg immer wieder ausgetretene Pfade, in den Felspassagen verlieren sich jedoch die Spuren …

Die Tour kann nur bei absolut sicheren Wetterverhältnissen unternommen werden und bietet nur wenig Schutz bei Regen oder Gewitter. Unterhalb des Gipfels befindet sich eine kleine Biwakschachtel, die im Ernstfall jedoch erst einmal erreicht bzw. gefunden werden will.

Ich kenne Seilschaften, die über die elend-lange Pichl-Route in der Nordostwand den Gipfel des Langkofels bestiegen haben. Beim Abstieg über den Normalweg verpassten sie eine Abzweigung und mussten anschließend in der Dunkelheit über die gesamte Südwand abklettern. Topo hatten sie keines dabei, deshalb war es für sie ohne vorherige Aufstiegs-Kenntnisse fast unmöglich den richtigen Weg zu finden.

Ausgangspunkt ist die Toni-Demetz-Hütte in der Langkofelscharte, die bequem mit der Bahn zu erreichen ist. In unmittelbarer Hüttennähe befinden sich einige Sportkletter-Routen und Baseclimbs mit mehreren Seillängen. Gleich daneben gibt es auch die Fünffinger-Spitze mit verschiedenen Alpinen Anstiegen, die bis hinauf zum Gipfel führen. Insofern bietet sich auch ein mehrtägiger Aufenthalt auf der Hütte an.

Schwierigkeit Langkofel-Normalweg

Längere Gehstrecken im 1. bis 2. Schwierigkeitsgrad. Dazwischen befinden sich immer wieder Aufschwünge bis zum oberen 3. Dolomiten-Grad (in den Nordalpen wäre das Schwierigkeitsgrad 4). Kletterstrecke ca. 1500 m. Höhenunterschied ab Hütte ca. 500 m.

Topos

www.tonidemetz.it

Zeitbedarf

Von der Toni-Demetz-Hütte ca. 4 bis 5 Stunden. Abstieg vom Gipfel ca. 3 bis 4 Stunden. Es empfiehlt sich die Übernachtung auf Hütte. Ein früher Aufbruch ist ratsam, um für das tagesfüllende Programm genügend Zeitreserven zu besitzen.

Absicherung

Etwas steilere Passagen sind gelegentlich mit Eisentritten bzw. Drahtseilen entschärft. Dazwischen befinden sich immer wieder vereinzelt Bohrhaken oder Eisenstifte, die zur Sicherung oder zum Abseilen für den Abstieg dienen.

Material

Für den Abstieg ist ein 50-Meter-Doppelseil hilfreich. Somit kann an den steilsten Passagen hin und wieder über längere Strecken abgeseilt werden. Für exponierten Kletterstellen ist die Seilsicherung im Aufstieg ebenfalls gelegentlich nützlich.

Zustieg

Vom der Toni-Demetz-Hütte ca. 100 m nach Südwesten absteigen und anschließend nach rechts zum gut sichtbaren Fassaner Band hinüberqueren. Es empfiehlt sich, bereits am Vorabend den Einstieg zu erkunden. Über das langgezogene Band erreicht man die ersten Fels-Aufschwünge. Von der Hütte ca. 20 Minuten zum Beginn des Normalwegs.

Unterkunft

Toni-Demetz-Hütte (2685 m) www.tonidemetz.it

Bildgallerie

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